Umstellung auf Digitalsteuerung

Warum DIGITAL?

Die über viele Jahre laufend weiterentwickelte Steuerungstechnik für unsere große Clubanlage erlaubt einen komfortablen und sicheren Fahrbetrieb, der auch den "Spielspaß" daran - Dank vollelektronischer Gleisbildstellwerke - nicht zu kurz kommen lässt. Alle Fahrstraßen- und Blocksicherungen werden dabei von einem PC übernommen. Die entsprechende Software "MECS-Control" wurde von einem Mitglied des MECS komplett selbst entwickelt.

Doch trotz guter Dokumentation würde es sehr schwierig bis unmöglich werden, dieses Wissen mindestens auf zwei weitere Mitglieder zu transferieren. Selbst wenn dieses Vorhaben gelänge, wären die Software und auch teilweise die Hardware dazu nach wie vor Unikate!

So wurde 2021 beschlossen, sich mit einer kommerziellen Digitalsteuerung zu befassen. 

Erste Schritte

Zunächst galt es, den Markt zu sondieren und eine für unsere Erfordernisse leistungsfähige Hardware- und Software-Kombination zu finden.

Die Wahl fiel auf das modulare BiDiB-System von Fichtelbahn und das Steuerungssystem iTrain.

Um erste Erfahrungen zu sammeln, kam uns zu Gute, dass der betagte Nebenbahnhof HOCHDORF ersetzt werden sollte. Der bisher vom Bahnhof NORDINGEN kommend dorthin geführte Streckenverlauf wurde modifiziert, erhielt hier zusätzlich eine Kehrschleife und der neue Bahnhof HOCHDORF wurde als Durchgangsbahnhof mit ebenfalls einer Kehrschleife ausgeführt (siehe Übersichtsplan). So kann zunächst ein von der analogen Hauptanlage unabhängiges Gleisnetz betrieben werden. Ein späterer Übergang dorthin bleibt gleismäßig aber weiterhin existent.

Alle Gleisabschnitte wurden doppelseitig getrennt und die Anschlusskabel der Gleisanschlüsse verdrillt über einen Vielfachstecker an ein Elektronik-Modul (bestehend aus Netzteil, Booster, Gleisbelegtmelder) geführt.

Nach intensivem Fahrbetrieb konnte die Konfiguration technisch überzeugen. Vermisst wurde jedoch von den Mitgliedern der gewohnte Stelltisch mit Tastern und Fahrreglern!

Zwischenergebnis

Wie zu erwarten war, überzeugten die Fahreigenschaften der mit Decoder ausgerüsteten Fahrzeuge, deren Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie das punktgenaue Halten. Die Diskussion über ein passendes Betriebskonzept (mehr Automatikfunktion, fehlende Stelltische) wird mit Sicherheit noch ein Thema bleiben.  

Leider lassen sich die positiven Ergebnisse nicht auf die weiteren Umstellungsschritte übertragen. Konnten wir beim Projekt "HOCHDORF" von einer nahezu idealen Hardwareumgebung ausgehen, werden wir in der Bestandsanlage mit vielen "Fallstricken" konfrontiert:

  • lange Kabel
  • keine verdrillte Zuführung
  • geringe Leitungsquerschnitte
  • keine getrennte Masse
  • gemeinsame Kabelbäume (Fahrstrom, Stromversorgung, DCC, ...)

Folgt man den allgemeinen Empfehlungen, müsste unter diesen Rahmenbedingungen eigentlich das gesamte Projekt zum Scheitern verurteilt sein. 

Mangels Alternativen - eine komplette Neuverkabelung unserer Hauptanlage ist aus unterschiedlichen Gründen nicht durchführbar - beschlossen wir, das Risiko des Scheiterns einzugehen. Ein "Weiter so" kam für uns auch aus existenziellen Gründe nicht in Frage.

 

Modulplatte Hochdorf

                                                                                                                                                                 Prototyp Modulplatte Hochdorf

 

Und noch ein Problem ...

Bei intensiverer Studie einschlägiger Foren und eigener Internet-Recherchen erkannten wir eine weitere Problematik: Wann stößt ein Steuerungssystem an seine Grenzen? Bekanntlich ist das DCC-Protokoll ja relativ "langsam". Eine größere Anzahl gleichzeitig fahrender Züge, die beschleunigt und abgebremst werden müssen, stellen an ein Steuerungssystem hohe Anforderungen. Stellbefehle für Weichen und Signale belasten dieses System zusätzlich.

Messungen an unserer Analog-Steuerung zeigten, dass maximal 25 Züge gleichzeitig fahren. Dabei sind auf der gesamten Anlage etwa 80-90 Einheiten in mehr als 200 Blockabschnitten aufgestellt.

Booster-Wippen als Lösung?

Für große Anlagen empfiehlt z.B. Open-DCC den Einsatz von sogenannten Booster-Wippen. Beiträge: Booster-Wippen und Große Anlagen

Die Idee ist dabei eine Segmentierung der Anlage in einzelne DCC-Domänen. Jede Domäne für sich erzeugt ein eigenes DCC-Protokoll und muss weniger Loks verwalten bzw. Steuerinformationen für diese wiederholen. Technisch aufwändig ist der Übergang von einer Domäne zur anderen. Es muss jeweils ein ausreichend langer Block vorhanden sein, der umgeschaltet werden kann.

In Anbetracht des zu erwartenden erheblichen Umverdrahtungs-Aufwandes und der zusätzlichen Kosten verabschiedeten wir uns von diesem Ansatz.

Zunächst sollten deshalb erste bestehende Anlagenteile unserer bisherigen Clubanlage umgestellt werden, um deren generelle Digitaltauglichkeit einzeln (siehe oben) unter Beweis zu stellen.

Umstellungsszenario

Die Komplexität der MECS-Clubanlage erfordert - beziehungsweise erlaubt nur - eine schrittweise Umstellung mit Testphasen, in denen jederzeit eine Rückkehr zur analogen Steuerung mölglich sein muss (Stecker-Kompatibität).

So wurden innerhalb von 18 Monaten die großen Bahnhöfe und die Blockstrecken einschließlich des Speichers REUTTE und des Speichers ABLA (unter Hbf. Langenthal) testweise erfolgreich in Betrieb genommen (Struktur des BiDiB-Netzes). 

Für die öffentlichen Vorführungen unserer Clubanlage im Dezember 2024 und Januar 2025 wurde alles wieder auf die bewährte Analogsteuerung "MECS-Control" zurückgebaut. Einzig die ZAHNRADBAHN blieb als weitere digitale Insel neben "HOCHDORF" bestehen und fuhr nun in einem "verschleiß-ärmeren" Automatikbetrieb.

Von Februar bis April 2025 wurde ein umfangreicher "Stress-Test" für den Digital-Betrieb geplant. Dieser sollte zeigen, ob das System auch mit einer deutlich größeren Anzahl von Fahrzeugen stabil bleibt ...

Stress-Tests

Die Ergebnisse dieses "Stress-Tests" waren im Wesentlichen sehr erfreulich, dennoch gab und gibt es noch viel zu tun!

Dokumentation des Stress-Tests

 

Nächste Schritte

Nachdem nun auch das BW LANGENTHAL einschließlich Drehscheibe ausnahmslos digitalisiert wurde und bleibt, werden wir uns dessen Betriebskonzept widmen. Dazu haben wir einen 24"-Touchscreen-Monitor beschafft. Wir sind gespannt, wie die ungewohnte Bedienung angenommen wird.

 

Fortschritte des Umbaus

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